Romantik und Malerei

Zeit der Romantik - Zeit der Wiederentdeckung - Zeit für Besinnung

Am Beginn des 19, Jh. entwickelte sich in Europa im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher Revolution, verfallender Feudalordnung, Befreiungskriegen und Restauration die geistige Strömung der „Romantik“.
 Der Gewinn bürgerlicher Freiheiten wurde jedoch oft nicht als solcher wahrgenommen.
Allgegenwärtige Unsicherheit ließ den Blick auf das Mittelalter mit seinen festgefügten Machtstrukturen wie eine innere Befreiung erscheinen.

Auf die Frage nach den Sinn des Lebens suchten die Romantiker Antworten im Werden und Vergehen der Natur, suchten Harmonie und Geborgenheit.
Welcher Ort war besser geeignet, diesen Gedanken und Empfindungen zu folgen als der Oybin mit seinen von der Natur überwucherten Gemäuern, dem Bergfriedhof, den großartigen Zeugnissen mittelalterlicher Baukunst und Geschichte?

Andreas Oppermann, ein Advocat und Reisender schrieb:
„ Es war im Junimonate des Jahres 1868. Nach den bewegten Tagen des Luther - Festes zu Worms....war es ein eigenthümlicher Zufall, dass mein erster Weg, nach dem ich in meine Heimat zurückgekehrt war, nach dem Oybin führte.
Die Meinigen hatten dort Sommeraufenthalt genommen, und ich eilte, sie zu begrüßen und frohe Tage mit ihnen zusammen zu sein.
So reihte sich wie von selbst zu den Bildern der beiden merkwürdigsten Ruinen Deutschlands,
Schloß Heidelberg und Paulinzelle, als kostbare Perle das Bild der dritten Ruine, welche würdig ist, jenen Beiden zur Seite gestellt zu werden, des Oybin, an.
Die Kloster- und Kirchenruine Oybin mit den alten Trümmern eines Raubritterschlosses ergänzt die herrliche Dreigestalt auch nach der Richtung der Kunst hin.
Denn wenn in Paulinzelle uns die schlichte Großartigkeit des romanischen Baustils entgegentritt, wenn in Schloß Heidelberg unsere Phantasie von der reichen Fülle sinnlicher Gestaltungen des Renaissance- Zeitalters gefangen wird, so umgibt uns im Rauschen der Tannen auf Oybin der vollste Zauber gotischer Kunst, ein Hauch lebensvoller Romantik des späten Mittelalters...."

Doch vor ihm waren es namentlich die Maler der Schule der Dresdner Frühromantik sowie ihre Vorläufer und Nachfolger die diesen Spuren folgten, nachdem der "Vater der sächsischen Landschaftsmalerei" Johann Alexander Thiele 1745 den Oybin mit 3 großen Tafelbildern in die Kunstgeschichte eingeführt hatte.

Der Schweizer Adrian Zingg schuf 1805 eine Radierung mit Sepia getuscht "Der Oybin"

1810 weilte Caspar David Friederich mit seinem Malerfreund Georg Kersting auf dem Oybin und fertigte Skizzen für spätere Arbeiten.
1823/24 entstand sein berühmtes Gemälde "Huttens Grab" unter Verwendung von Motiven der Wenzelskapelle der Klosterkirche auf dem Oybin.

1823 zeichnete Carl Blechen in idealisierter Sicht die Ruine der Klosterkirche.

1828 schuf der Maler und Kunsttheoretiker Carl Gustav Carus das Bild "Der Friedhof auf dem Oybin im Winter".

Der Zittauer Maler Adolph Thomas, ein Schüler Ludwig Richters, schuf 1886 einen Zyklus von 12 Oybin Aquarellen.

Noch viele Maler folgten ihren Spuren. Doch nicht nur ihnen war und ist der Oybin Anregung und Kraftquell.
Vielleicht sollten auch wir „Heutigen“ uns auf diese ganz besondere Beziehung einfach einlassen,
sollten hier Harmonie für Geist und Seele suchen?
Bestimmt finden wir mehr Antworten als zunächst gedacht...